Der Unterschied zwischen Silikatfarbe und Dispersionsfarbe
Beide Farben bestehen aus Pigmenten, Füllstoffen und Wasser. Der Unterschied liegt in dem Stoff, der alles zusammenhält. Bei Silikatfarbe ist das Kaliwasserglas, eine Art flüssiges Glas. Bei Dispersionsfarbe sind es feine Kunstharzteilchen in Wasser.
Daraus folgen zwei Arten zu haften. Silikatfarbe geht mit mineralischem Putz eine feste chemische Verbindung ein. Die Farbe wird ein Teil der Wand. Dispersionsfarbe legt sich als dünner Kunststofffilm auf die Wand. Das hält auf fast jedem Untergrund, auch dort, wo Silikatfarbe keinen Partner findet.
Die ersten beiden Werte zeigen, wie leicht Feuchtigkeit aus der Wand entweicht. Ein Anstrich, der den Dampf so wenig bremst wie 2 Zentimeter Luft, ist kaum ein Hindernis. Auch die Dispersionsfarbe im Vergleich lässt Dampf gut durch, ihr Wert liegt aber höher.
Ein Hersteller hat für zwei seiner Innenfarben alle Werte veröffentlicht. Die Silikatfarbe enthält unter 5 Prozent Kunststoff, deckt in Klasse 2 bei 7 Quadratmetern je Liter und braucht 140 Milliliter je Quadratmeter. Die Dispersionsfarbe deckt in Klasse 1 bei 8 Quadratmetern je Liter und braucht 125 Milliliter. Gestrichen werden darf die Silikatfarbe erst ab 8 Grad, die Dispersionsfarbe ab 5 Grad.
| Angabe | Silikatfarbe | Dispersionsfarbe |
|---|---|---|
| Was die Farbe zusammenhält | Kaliwasserglas mit unter 5 Prozent Kunststoff | Kunstharz in Wasser |
| Bremst Wasserdampf wie | unter 2 Zentimeter Luft | unter 10 Zentimeter Luft |
| Deckkraft | Klasse 2 bei 7 Quadratmetern je Liter | Klasse 1 bei 8 Quadratmetern je Liter |
| Verträgt Abwischen | Klasse 2 | Klasse 1, also besser |
| Farbe je Anstrich | 140 Milliliter je Quadratmeter | 125 Milliliter je Quadratmeter |
| Kälteste Temperatur beim Streichen | 8 Grad | 5 Grad |
| Auf Holz, Lack oder Kunststoff | nein | ja, nach Vorbehandlung |
Auf welchen Wänden Silikatfarbe hält
Silikatfarbe braucht einen mineralischen Untergrund. Der Hersteller nennt dafür ungestrichenen Kalk- und Zementputz, Beton, Kalksandstein, Glasvlies, Raufaser und alte Silikatanstriche, die noch fest sitzen. Gipsputz, Gipskarton und eine feste matte oder seidenmatte Dispersionsfarbe gehen nur nach einer passenden Grundierung.
Gar nicht geeignet sind Lack, Kunststoff, Holz und Wände mit Salzausblühungen. Auch in einer Mietwohnung mit vielen alten Anstrichen ist das wichtig. Liegt eine Kunststofffarbe auf dem Putz, findet die Silikatfarbe keinen Partner und liegt nur oben auf. Ob das bei Ihrer Wand so ist, prüft der Maler vor Ort.
Ist die Wand aus Putz, Beton oder Kalksandstein und ohne alte Kunststofffarbe?
Silikatfarbe passt. Sie verbindet sich mit der Wand und lässt Feuchtigkeit gut heraus. Planen Sie Abdecken und mindestens 8 Grad ein.
Ist eine feste alte Dispersionsfarbe, Gipskarton oder Gipsputz an der Wand?
Dispersionsfarbe ist der einfache Weg. Silikatfarbe geht hier nur mit einer passenden Grundierung.
Auf Holz, Lack, Kunststoff oder salzigen Wänden scheidet Silikatfarbe aus. Lassen Sie den Untergrund zuerst vom Maler beurteilen.
Was Silikatfarbe bei Feuchtigkeit und Schimmel bringt
Silikatfarbe lässt Wasserdampf sehr leicht durch. Feuchtigkeit in der Wand kann deshalb schnell nach außen trocknen. Das hilft in Altbauten, in Schlafzimmern und nach einem Wasserschaden, wenn die Wand schon wieder trocken ist.
Gegen Schimmel wirkt vor allem ihr hoher pH-Wert. Der Hersteller schreibt, dass mineralische Stoffe und dieser Wert das Risiko für Schimmel auf der Oberfläche senken. Das gilt aber nur für die Oberfläche. Ist die Wand selbst nass, hilft keine Farbe.
Das Umweltbundesamt, die Umweltbehörde des Bundes, hält Wandfarben mit Wirkstoffen gegen Schimmel nach einer Trocknung nicht für sinnvoll. Wer Schimmel hat, klärt zuerst die Ursache. Eine mineralische Farbe ist dann meist die bessere Wahl als eine Anti-Schimmel-Farbe.
Welche Farbe im Kinderzimmer und für Allergiker passt
Beide Farbarten müssen dieselben Grenzwerte für Lösemittel einhalten. Für matte Innenfarben erlaubt eine Verordnung höchstens 30 Gramm je Liter. Die beiden verglichenen Farben enthalten laut Hersteller weniger als 1 Gramm je Liter.
Der Unterschied liegt bei den Zusätzen, die eine Farbe im Eimer haltbar machen. Viele Dispersionsfarben enthalten solche Stoffe, darunter welche, die Allergien auslösen können. Silikatfarben brauchen sie wegen ihres hohen pH-Werts meist nicht. Es gibt aber auch Dispersionsfarben ohne diese Zusätze, die verglichene Farbe ist eine davon.
- Achten Sie auf den Blauen Engel für emissionsarme Innenwandfarben. Er schließt Wirkstoffe gegen Pilze und Bakterien in der Farbe aus.
- Lassen Sie sich im Angebot den Namen der Farbe nennen. Dann lesen Sie im Merkblatt selbst, ob sie solche Zusätze enthält.
- Abtönen kann solche Zusätze in die Farbe bringen. Darauf weist der Hersteller in beiden Merkblättern hin.
- Bei Silikatfarbe kann ein kräftiger Farbton den Kunststoffanteil über 5 Prozent heben. Dann ist sie streng genommen keine reine Silikatfarbe mehr.
- Silikatfarbe ist bei 20 Grad nach 4 bis 6 Stunden überstreichbar und nach etwa 3 Tagen voll belastbar.
So wählen Sie zwischen Silikat und Dispersion
Die Reihenfolge ist immer gleich. Erst kommt die Wand, dann der Raum, dann das Produkt. Wer mit dem Produkt anfängt, kauft die Farbe mit der besten Werbung und nicht die, die zur Wand passt.
- Klären Sie, was an der Wand ist: Putz, Beton, Gipskarton, Raufaser, Vlies oder alte Farbe.
- Klären Sie, was der Raum braucht. Flur und Küche brauchen eine Farbe, die Abwischen gut verträgt, Altbau und Schlafzimmer eher eine, die Dampf gut durchlässt.
- Legen Sie die Farbart fest. Mineralische Wand ohne Kunststofffarbe spricht für Silikat, alles andere für Dispersion.
- Vergleichen Sie zwei Farben über ihre Merkblätter: Deckkraft mit Quadratmetern je Liter, Abwischklasse, Verbrauch und Temperatur.
- Rechnen Sie die Menge: Fläche mal Anstriche mal Verbrauch. Bei 140 Millilitern je Quadratmeter und zwei Anstrichen brauchen 40 Quadratmeter Wand 11,2 Liter.
- Prüfen Sie den Termin. Unter 8 Grad geht keine Silikatfarbe, unter 5 Grad keine Dispersionsfarbe.
Wie der Maler die Farbe dann aufträgt und welche Vorarbeiten nötig sind, zeigt der Ablauf beim Innenanstrich vom Maler.
Was Silikatfarbe im Vergleich kostet
Silikatfarbe braucht mehr Material. Bei den verglichenen Farben sind es 140 statt 125 Milliliter je Quadratmeter und Anstrich. Auf 40 Quadratmetern mit zwei Anstrichen macht das 1,2 Liter Unterschied. Mehr Geld kostet meist das Abdecken, weil der Maler dafür länger braucht.
Literpreise stehen in keinem Merkblatt. Die Stiftung Warentest prüfte im Sommer 2026 19 weiße Innenfarben zu Preisen von 17 bis 80 Euro je Eimer. Mit einem Liter ließen sich 7 bis über 12 Quadratmeter streichen. Der Preis je Eimer sagt also wenig, der Preis je gestrichenem Quadratmeter viel.
Häufige Fragen
Kann ich Silikatfarbe auf alte Dispersionsfarbe streichen?
Nur nach einer Vorbehandlung. Auf alter Dispersionsfarbe findet Silikatfarbe keinen mineralischen Partner und liegt nur oben auf. Der Hersteller erlaubt den Anstrich auf fester matter oder seidenmatter Dispersionsfarbe nur mit passender Grundierung, lose alte Farbe muss herunter.
Lässt Silikatfarbe die Wand besser atmen als Dispersionsfarbe?
Ja, Silikatfarbe lässt Wasserdampf deutlich leichter durch. Eine Silikat-Innenfarbe bremst den Dampf laut Merkblatt so wenig wie unter 2 Zentimeter Luft, eine Dispersionsfarbe wie unter 10 Zentimeter. Feuchtigkeit kann dadurch schneller aus der Wand entweichen.
Ist Silikatfarbe besser gegen Schimmel?
Silikatfarbe hemmt Schimmel auf der Oberfläche, weil sie stark alkalisch ist. Eine nasse Wand trocknet sie aber nicht. Das Umweltbundesamt hält Farben mit Wirkstoffen gegen Schimmel nach einer Trocknung nicht für sinnvoll. Ohne beseitigte Ursache kommt der Schimmel unter jeder Farbe zurück.
Welche Wandfarbe ist für Allergiker besser?
Für Allergiker passt eine Farbe ohne Zusätze, die sie im Eimer haltbar machen. Silikatfarben kommen meist ohne aus, es gibt aber auch solche Dispersionsfarben. Der Blaue Engel für emissionsarme Innenwandfarben schließt Wirkstoffe gegen Pilze und Bakterien aus.
Bei welcher Temperatur kann man Silikatfarbe streichen?
Silikatfarbe streichen Sie erst ab 8 Grad, gemessen an Luft und Wand. Bei 20 Grad ist sie nach 4 bis 6 Stunden überstreichbar und nach etwa 3 Tagen voll belastbar. Bei Kälte und hoher Luftfeuchte dauert es länger.
Warum muss man bei Silikatfarbe Fenster und Fliesen abdecken?
Kaliwasserglas in der Silikatfarbe ist eine starke Lauge und greift Glas, Fliesen, Lack, Naturstein, Metall und unbehandeltes Holz an. Deshalb deckt der Maler alles rund um die Wand ab und wäscht Spritzer sofort ab. Diese Arbeit sollte als eigener Posten im Angebot stehen.
