Auf ein WDVS gehört ein heller Farbton
Ein WDVS, ausgeschrieben Wärmedämmverbundsystem, ist eine Dämmung außen auf der Hauswand. Dämmplatten aus Polystyrol, Mineralwolle oder Holzfaser werden an die Wand geklebt, mit Gewebe verstärkt und dünn verputzt. Auf diesen Putz streicht der Maler.
Der Hellbezugswert sagt, wie viel sichtbares Licht ein Farbton zurückwirft. 100 steht für reines Weiß, 0 für tiefes Schwarz. Für Anstriche auf einem WDVS gilt nach den anerkannten Regeln ein Hellbezugswert von mindestens 20. So steht es in einem Merkblatt, das die Verbände für Dämmsysteme, Putz und Farbe gemeinsam herausgeben.
Der Grund ist die Hitze. Dunkle Farben schlucken das Sonnenlicht, und ihre Oberfläche kann bis zu 80 Grad heiß werden. Warme Bauteile dehnen sich aus. Kühlt ein Regenschauer die Wand plötzlich ab, entstehen Spannungen, und der dünne Putz auf der Dämmung kann reißen oder sich verformen.
Was Hellbezugswert und TSR-Wert über Ihren Farbton sagen
Der Hellbezugswert erfasst nur das sichtbare Licht. Das sind nach dem Merkblatt der Verbände nur etwa 39 Prozent der Energie, die die Sonne auf die Wand bringt. Rund 58 Prozent sind Infrarotstrahlung, also Wärmestrahlung, die man nicht sieht.
Der TSR-Wert misst dagegen, wie viel der gesamten Sonnenstrahlung ein Farbton zurückwirft. TSR steht für Total Solar Reflectance. Je höher der Wert, desto weniger heizt sich die Wand auf. Ein Anstrich mit einem TSR-Wert von mindestens 25 Prozent gilt laut Merkblatt als sicher gegen zu starkes Aufheizen, auch wenn sein Hellbezugswert unter 20 liegt.
Dunkle Farbe auf dem WDVS geht nur unter Bedingungen
Ganz verboten sind dunkle Töne nicht. Die Norm für die Verarbeitung von Dämmsystemen lässt Ausnahmen zu, etwa für kleine Flächen, verschattete Wände und die Nordseite. Unter einem Hellbezugswert von 20 muss das Dämmsystem aber technisch darauf ausgelegt sein, durch eine besondere Verstärkung im Putz oder durch besondere Farbpigmente.
Hersteller bieten dafür Farben mit Pigmenten an, die Wärmestrahlung zurückwerfen. Eine solche Farbe erreicht laut ihrem Merkblatt einen TSR-Wert von mindestens 25 Prozent bei Farbtönen mit einem Hellbezugswert ab 10. Darunter verlangt der Hersteller eine technische Beratung. Ein anderer Hersteller gibt seine Technik für dunkle Töne nur für Renovierungsanstriche frei, nicht für neu angebrachte Dämmung.
Wie streng die Stufen sind, zeigt ein Hersteller von Dämmsystemen. Über einem Hellbezugswert von 30 ist kein besonderer Aufbau nötig, zwischen 20 und 30 verlangt er zwei Anstriche mit der Farbe aus seinem System. Unter 20 braucht der Farbton einen TSR-Wert über 25 Prozent, und unter 10 geht es nur in Ausnahmefällen.
| Hellbezugswert des Farbtons | Was der Hersteller verlangt |
|---|---|
| über 30 | Kein besonderer Aufbau, Anstrich nach Wahl |
| 20 bis 30 | Zwei Anstriche mit der Farbe aus dem System |
| 15 bis 20 | TSR-Wert über 25 Prozent, spezielle Farbe in zwei Anstrichen, grober Oberputz ab 2 Millimeter Korn |
| 10 bis 15 | TSR-Wert über 25 Prozent, spezielle Farbe in zwei Anstrichen, nur auf bestimmten Dämmplatten |
| 5 bis 10 | Nur in Ausnahmefällen nach technischer Beratung |
Welche Fassadenfarbe zum WDVS passt
Jedes Wärmedämmverbundsystem hat eine bauaufsichtliche Zulassung oder Bauartgenehmigung. Die Merkblätter der Hersteller verweisen für Putz und Anstrich ausdrücklich darauf. Am sichersten ist deshalb eine Farbe aus dem System des Herstellers Ihrer Dämmung oder eine Farbe, die er freigibt. Den Hersteller finden Sie in den Bauunterlagen, oder Sie fragen den Betrieb, der gedämmt hat.
Häufig passt eine Silikonharzfarbe. Das Merkblatt einer Silikonharzfarbe nennt intakte Dämmsysteme ausdrücklich als Untergrund, und die Farbe nimmt wenig Regen auf und lässt Feuchtigkeit leicht hinaus. Bei der Grundierung ist Vorsicht nötig. Ein Hersteller schreibt, dass eine seiner Grundierungen nicht auf Dämmsysteme mit Polystyrol gehört, und welche passt, steht im Merkblatt.
Warum ein WDVS schneller grün wird
Auf gedämmten Fassaden wachsen Algen häufiger als auf massiven Wänden. Der dünne Putz auf der Dämmung speichert kaum Wärme. Nachts kühlt er unter die Temperatur der Luft ab, und dann schlägt sich Tau auf ihm nieder. Das hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik an einem Versuchshaus gemessen.
Viele Farben für Dämmsysteme enthalten deshalb Wirkstoffe gegen Algen und Pilze. Sie verzögern den Bewuchs aber nur und werden mit der Zeit vom Regen ausgewaschen. In einer Umfrage für das Umweltbundesamt, die Umweltbehörde des Bundes, waren 75 Prozent der Befragten mit dem Aussehen ihrer gedämmten Fassade zufrieden, ob mit oder ohne solche Wirkstoffe. Das Amt empfiehlt Dämmsysteme mit dem Blauen Engel, die ohne sie auskommen.
Was Sie gegen grünen Belag tun können, ohne Wirkstoffe in den Boden zu spülen, steht unter Algen an der Fassade entfernen.
So streicht der Maler ein WDVS
- Der Maler prüft den Putz auf Risse, hohle Stellen und Löcher. Schäden an Putz und Dämmung werden vor dem Anstrich repariert.
- Er reinigt die Fläche mit Druckwasser von höchstens 60 Grad und höchstens 60 bar und lässt sie danach trocknen.
- Kreidet der alte Anstrich oder saugt der Putz stark, kommt eine passende Grundierung darunter.
- Er streicht zweimal mit einer Farbe, die zum Dämmsystem passt, in einem Farbton mit Hellbezugswert ab 20 oder mit bestätigtem TSR-Wert.
- Gestrichen wird bei mindestens 5 Grad für Luft und Wand und nicht in praller Sonne.
Der Putz auf der Dämmung hält nach der Tabelle des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Mittel 45 Jahre, die Dämmung selbst mindestens 50 Jahre. Der Anstrich darauf wird in dieser Zeit mehrmals erneuert. Wie ein Fassadenanstrich insgesamt abläuft, beschreibt der Überblick Fassade streichen lassen.
Häufige Fragen
Darf ich mein WDVS dunkelgrau streichen lassen?
Ein WDVS dürfen Sie dunkelgrau streichen lassen, wenn der Hersteller für Farbe und Dämmsystem einen TSR-Wert von mindestens 25 Prozent bestätigt. Ohne diese Bestätigung gilt ein Hellbezugswert von mindestens 20. Dunkle Flächen heizen sich bis zu 80 Grad auf, und der dünne Putz kann reißen.
Was bedeutet ein Hellbezugswert von 20?
Ein Hellbezugswert von 20 bedeutet, dass ein Farbton ein Fünftel des sichtbaren Lichts zurückwirft. Die Skala reicht von 0 für tiefes Schwarz bis 100 für reines Weiß. Auf einem WDVS ist 20 nach den Regeln der Fachverbände die Untergrenze.
Mit welchem Druck darf man ein WDVS reinigen?
Ein WDVS reinigt der Maler laut den Merkblättern von Fassadenfarben mit Druckwasser von höchstens 60 bar und höchstens 60 Grad. Danach muss die Fläche ausreichend trocknen. Ist die Fassade mit Algenschutz gestrichen, kann ein Hochdruckreiniger laut Umweltbundesamt die Wirkstoffe schneller auswaschen.
Wie oft muss ein WDVS gestrichen werden?
Ein Anstrich auf einem WDVS hält im Mittel rund 20 Jahre, so die Tabelle der Nutzungsdauern des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung für Fassadenanstriche auf Putz. Der Putz auf der Dämmung hält im Mittel 45 Jahre, die Dämmung mindestens 50 Jahre. Grüner Belag oder Risse können einen früheren Anstrich nötig machen.
Warum wird eine gedämmte Fassade grün?
Eine gedämmte Fassade wird grün, weil ihr dünner Putz nachts unter die Lufttemperatur abkühlt und sich Tau darauf bildet. Das hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik gemessen. Die Feuchte reicht Algen zum Wachsen, vor allem an schattigen Nord- und Westseiten.
