Silikonharzfarbe, Silikatfarbe und Dispersionsfarbe im Vergleich
Fassadenfarben unterscheiden sich vor allem darin, was die Farbteilchen zusammenhält und an der Wand festhält. Silikatfarbe enthält Wasserglas, eine mineralische Flüssigkeit, und haftet am besten auf mineralischem Putz. Silikonharzfarbe enthält ein Silikonharz, das die Oberfläche wasserabweisend macht. Dispersionsfarbe für Fassaden hält mit einem Kunststoff, meist Reinacrylat.
Reine Sorten sind im Handel selten. Die Silikatfarbe im Merkblatt eines Herstellers enthält auch Acryl und Silikonharz, und viele Silikonharzfarben enthalten Acrylat.
Die Merkblätter von je einer Silikat-, Silikonharz- und Dispersionsfarbe zeigen die Unterschiede in Zahlen. Der sd-Wert sagt, wie stark eine Farbe Feuchtigkeit in der Wand zurückhält, und je kleiner er ist, desto leichter trocknet die Wand. Silikat- und Silikonharzfarbe liegen unter 0,14 Metern, die Dispersionsfarbe bei etwa 0,5 Metern. Silikatfarbe braucht beim Streichen 8 Grad, die beiden anderen 5 Grad, und halten sollen alle drei im Mittel 20 Jahre.
| Eigenschaft | Silikatfarbe | Silikonharzfarbe | Dispersionsfarbe |
|---|---|---|---|
| Lässt Feuchtigkeit aus der Wand | hoch, Klasse V1 | hoch, Klasse V1 | mittel, Klasse V2 |
| Nimmt Regenwasser auf | mittel bis niedrig, Klasse W2 oder W3 | niedrig, Klasse W3 | niedrig, Klasse W3 |
| Streichen ab | 8 Grad | 5 Grad | 5 Grad |
| Hält auf festem altem Dispersionsanstrich | nur mit spezieller Grundierung | ja | ja |
| Nutzungsdauer im Mittel | 20 Jahre | 20 Jahre | 20 Jahre |
Was w-Wert und sd-Wert im Merkblatt bedeuten
Im technischen Merkblatt jeder Fassadenfarbe stehen zwei Werte, die über den Schutz der Wand entscheiden. Der w-Wert sagt, wie viel Regenwasser die Farbe aufnimmt. Der sd-Wert sagt, wie stark die Farbe Wasserdampf aus der Wand bremst. Er gibt in Metern an, wie dick eine Luftschicht sein müsste, um genauso zu bremsen.
Eine europäische Norm teilt beide Werte in Klassen ein. Beim w-Wert gelten Werte unter 0,1 als niedrig, 0,1 bis 0,5 als mittel und über 0,5 als hoch. Beim sd-Wert heißt unter 0,14 Meter hohe Durchlässigkeit, 0,14 bis 1,4 Meter mittlere und über 1,4 Meter niedrige.
| Klasse im Merkblatt | Bedeutung | Grenzwert |
|---|---|---|
| W1 | nimmt viel Regenwasser auf | w-Wert über 0,5 |
| W2 | nimmt mittel viel Regenwasser auf | w-Wert 0,1 bis 0,5 |
| W3 | nimmt wenig Regenwasser auf | w-Wert unter 0,1 |
| V1 | lässt Feuchtigkeit leicht hinaus | sd-Wert unter 0,14 Meter |
| V2 | lässt Feuchtigkeit mittel gut hinaus | sd-Wert 0,14 bis 1,4 Meter |
| V3 | lässt Feuchtigkeit schwer hinaus | sd-Wert über 1,4 Meter |
Für eine Fassade zählt beides. Die Farbe soll wenig Regen hineinlassen und Feuchtigkeit aus der Wand schnell wieder hinaus. Getönte Farben können laut den Herstellern andere Werte haben als die weiße Grundfarbe. Wie beide Werte zusammen eine Faustregel für Fassaden ergeben, erklärt der Vergleich Silikatfarbe oder Dispersionsfarbe.
Welche Fassadenfarbe zu welchem Putz passt
Den Ausschlag gibt der Untergrund. Die Merkblätter nennen für jede Farbe, auf welchen Putzen und alten Anstrichen sie hält, und der Maler prüft vor dem Angebot, was an Ihrer Wand ist.
Ist die Wand mineralischer Putz, Beton oder Kalksandstein ohne alten Kunststoffanstrich?
Silikatfarbe passt, Silikonharzfarbe ebenso. Silikatfarbe braucht beim Streichen mindestens 8 Grad.
Ist die Fassade gedämmt?
Nehmen Sie eine Farbe, die der Hersteller für Ihr Dämmsystem freigibt, oft eine Silikonharzfarbe. Dunkle Farbtöne brauchen eine eigene Freigabe.
Trägt die Wand einen festen alten Anstrich oder einen Kunstharzputz?
Silikonharz- oder Dispersionsfarbe passt. Silikatfarbe geht dort nur mit einer speziellen Grundierung und nie auf elastischen Anstrichen.
Lassen Sie den Untergrund prüfen. Lose und verwitterte Anstriche müssen erst ganz herunter.
Auf neuen Silikatputz gehört Silikatfarbe, so das Merkblatt einer Silikonharzfarbe. Auf kalkreichem Putz empfiehlt derselbe Hersteller dagegen seine Silikonharzfarbe, auch für Häuser unter Denkmalschutz.
Wann Silikatfarbe an die Fassade passt
Silikatfarbe lässt Feuchtigkeit sehr gut aus der Wand, im Merkblatt einer Silikatfarbe mit Klasse V1. Bei der Wasseraufnahme liegen Silikatfarben je nach Produkt bei W2 oder W3. In der Zusammensetzung dieser Silikatfarbe steht, anders als bei der Silikonharzfarbe desselben Herstellers, kein Mittel gegen Algen.
Beim Streichen ist Silikatfarbe empfindlicher. Sie braucht mindestens 8 Grad, und der frische Anstrich muss vor Regen geschützt werden, aber auch vor zu schnellem Austrocknen durch Wind und Sonne. Auf alten Anstrichen aus Kunststoff hält sie nur mit einer speziellen Grundierfarbe, auf elastischen Anstrichen gar nicht.
Im Baumarkt kostete eine weiße Silikatfarbe im Oktober 2026 so viel wie eine einfache Fassadenfarbe, 84,95 Euro für 12,5 Liter. Weil ein Liter nur für 6 Quadratmeter reicht, kosten zwei Anstriche 2,27 Euro je Quadratmeter.
Wann Silikonharzfarbe an die Fassade gehört
Silikonharzfarbe verbindet zwei Eigenschaften. Sie nimmt wenig Regen auf, Klasse W3, und lässt Feuchtigkeit trotzdem gut hinaus, bei der Farbe aus dem Vergleich mit Klasse V1. Nach Regen und Tau trocknet die Fassade deshalb schnell ab, so ihr Merkblatt. Mischungen mit viel Acrylat erreichen bei der Durchlässigkeit teils nur Klasse V2, das zeigt das Merkblatt einer solchen Hybridfarbe.
Sie hält auf mineralischem Putz, auf festen alten Silikat- und Dispersionsanstrichen, auf Kunstharzputz und auf intakten gedämmten Fassaden. Gestrichen wird zwischen 5 und 30 Grad. Viele Silikonharzfarben enthalten einen Filmschutz, also Wirkstoffe gegen Algen und Pilze in der trockenen Farbe. Das Umweltbundesamt, die Umweltbehörde des Bundes, rät, solche Wirkstoffe nur einzusetzen, wo sie nötig und angemessen sind, weil der Regen sie auswäscht.
Eine weiße Silikonharzfarbe kostete im Baumarkt 114,95 Euro für 12,5 Liter. Das sind 3,07 Euro je Quadratmeter für zwei Anstriche, gut ein Drittel mehr als bei der Silikatfarbe.
Wann Dispersionsfarbe an der Fassade reicht
Dispersionsfarbe für Fassaden ist heute meist eine Reinacrylatfarbe. Die Farbe aus dem Vergleich ist zusätzlich mit Silikon verbessert. Sie nimmt wenig Wasser auf, Klasse W3, lässt aber weniger Feuchtigkeit hinaus, Klasse V2 mit einem sd-Wert von etwa 0,5 Metern. Das Merkblatt einer solchen Farbe nennt eine breite Auswahl an Farbtönen und eine Verarbeitung zwischen 5 und 30 Grad.
Auf festen alten Dispersionsanstrichen und auf Beton ist sie eine einfache Lösung. Soll die Wand möglichst leicht abtrocknen, etwa bei altem Kalkputz, ist eine Farbe mit Klasse V1 die bessere Wahl. Das sind Silikat- und Silikonharzfarben.
Wie der Maler den Untergrund vor der Farbwahl prüft und bei welchem Wetter er streicht, steht im Überblick Fassade streichen lassen.
Häufige Fragen
Kann man Silikatfarbe auf alte Dispersionsfarbe an der Fassade streichen?
Silikatfarbe hält auf einem alten Dispersionsanstrich an der Fassade nur mit einer speziellen Grundierung. So steht es im Merkblatt einer Silikatfarbe, und auf elastischen Anstrichen geht es gar nicht. Einfacher ist dort eine Silikonharzfarbe, die auf festen alten Dispersionsanstrichen hält.
Welche Fassadenfarbe nimmt am wenigsten Regenwasser auf?
Silikonharzfarben und Dispersionsfarben nehmen am wenigsten Regenwasser auf, sie erreichen in ihren Merkblättern die Klasse W3 mit einem w-Wert unter 0,1. Silikatfarben liegen je nach Produkt bei W2 oder W3. Der Wert steht im technischen Merkblatt jeder Fassadenfarbe.
Welche Fassadenfarbe hält am längsten?
Silikat-, Silikonharz- und Dispersionsfarbe halten an der Fassade im Mittel gleich lange, rund 20 Jahre. Das nennt die Tabelle der Nutzungsdauern des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Wie lange eine Farbe hält, hängt vor allem davon ab, ob sie zum Untergrund passt und sauber verarbeitet wird.
Bei welcher Temperatur darf Silikatfarbe an die Fassade?
Silikatfarbe darf an die Fassade, wenn Luft und Wand mindestens 8 Grad warm sind, auch während sie trocknet. Silikonharz- und Dispersionsfarben brauchen 5 Grad. Den frischen Silikatanstrich muss der Maler zusätzlich vor Regen, Wind und praller Sonne schützen.
Was bedeuten V1 und W3 bei Fassadenfarbe?
V1 und W3 sind Klassen für Fassadenfarben nach einer europäischen Norm. V1 heißt, die Farbe lässt Wasserdampf aus der Wand leicht hinaus, mit einem sd-Wert unter 0,14 Metern. W3 heißt, sie nimmt wenig Regenwasser auf, mit einem w-Wert unter 0,1.
